Münchner Volkstheater

Der Neubau des Münchner Volkstheaters ging aus einem europaweiten Verfahren hervor, das die Stadt München ausgeschrieben hatte. Dank der bereits in der Vergangenheit bei mehreren Projekten bewährten Zusammenarbeit konnte die Georg Reisch GmbH & Co. KG im Team mit ihren Fachplanern und den Architekten von LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei das Verfahren für sich entscheiden.
Die Planung für einen Theaterbau hat es in sich. Auf der einen Seite verlangt die Aufgabe nach ausgezeichneter Architektur, handelt es sich doch um ein Gebäude, mit dem die öffentliche Hand zeigt, was sie unter Baukultur versteht. Auf der anderen Seite bezieht
sich der vorwiegend repräsentative Anspruch auf die Wirkung im Stadtraum, auf das Foyer und, mit leichten Einschränkungen, auch auf die Zuschauerräume. Bei Letzteren haben die technischen Bedingungen von Akustik und Lichttechnik einen großen Einfluss auf die Raumgestaltung. Der Bühnenvorhang bildet dabei die Grenze zwischen jenen Räumen, die eine besondere ästhetische Herausforderung darstellen, und jenen, die wegen ihrer Funktionszusammenhänge – verbunden mit ihren extremen technischen Bedingungen – eine ganz andere Herangehensweise erfordern. Während der kleinere Teil dem Publikum gefallen muss, dient der rückwärtige, viel größere Bereich eines Theaters der Produktion und dem Aufführungsbetrieb.
Das Gebäude befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Schlacht- und Viehhofs der Stadt München. Zudem war ein Gebäudeflügel des denkmalgeschützten Bestands in das Projekt zu integrieren. Der Neubau sollte genügend repräsentativ sein, andererseits aber auch von der Geschichte des Ortes berichten. Insgesamt entsteht nun auf dem etwa 50 Hektar messenden Areal des alten Viehhofs ein neues Stadtquartier mit Wohnbauten, Infrastruktureinrichtungen und Projekten für Bildung und Kultur. Das Volkstheater bildet dabei, allein durch seine Größe, einen Schwerpunkt und schließt das Gelände nach Westen zur dicht bebauten Nachbarschaft hin ab.
Münchner Volkstheater und Schlachthof: Was bedeutet das für die Erscheinung der Kultureinrichtung? Noch sind Teile des Schlachthofes nördlich des Grundstückes in Betrieb. Ziegel prägen das Bild der Bestandsbauten – eine Industriearchitektur, die sich aus historisierenden Resten aus den 1920er Jahren und demgegenüber glatten, großflächigen Nachkriegsbauten zusammensetzt. Es war naheliegend, das Material Ziegel für die Gebäudehülle des Neubaus zu verwenden.
Zwischen dem Altbau, einem schmalen Gebäuderiegel an der Nordseite des Grundstücks, und dem neuen Foyer ist ein Hof positioniert, der sich mit einem großen Bogen zur Straße hin öffnet. Der Torbogen verbindet Alt- und Neubau. Gegenüber öffnet sich die Fassade des Neubaus mit seinem Haupteingang. Im anschließenden Hofbereich befinden sich Bänke und Tische für die Gäste des Theaterrestaurants, das ebenfalls von dort aus zugänglich ist.
Da in den Sommermonaten die Bäume auf dem kleinen Platz die Einsehbarkeit der Theaterzugänge beeinträchtigen, gibt es an der Schnittstelle zwischen Torbogen und Neubau eine Stele, die auch als Zeichen im Stadtraum auf die hinter den bescheidenen Altbauten liegende Theaternutzung hinweist. Die Werkstätten liegen an der Tumblingerstraße und bieten Passanten Einblicke hinter die Kulissen des Theaterbetriebs.
Die Plastizität des Baukörpers und seine Höhenstaffelung ergibt sich aus den funktionellen Bedingungen. Die gebäudetechnischen Anlagen, die rückspringend die nächst höhere Schicht bilden, sind entlang der thermischen Hülle mit einer gefalteten Gitterkonstruktion aus feinen Metallstäben umhüllt. Der Bühnenturm erhielt eine semi-transparente Membranfassade.
Das Foyer wie auch der Windfang und die gastronomische Einrichtung erhalten großzügige Glasfassaden, die im Sommer zum Hof hin ganz geöffnet werden können. Aus der Form des Grundstücks ergibt sich der längliche Zuschnitt des Foyers, das mit seiner markanten Farbgebung ins Auge sticht. Der Bereich für Anlieferung, Werkstätten und Lagerräume sowie die Bühnenbereiche beanspruchen den südlichen Teil des Baufensters, dazwischen liegen der Zuschauerraum für 600 und die zweite Spielstätte für 200 Personen. Die Verwaltungsspange bildet die Ostseite des Gebäudes und ist mit den Altbauten verbunden.
Mitte Oktober wird Intendant Christian Stückl das Haus mit einer ersten Aufführung eröffnen.

Bauherr:
Landeshauptstadt München, Kommunalreferat vertreten durch das Baureferat

Generalübernehmer:
Georg Reisch GmbH & Co. KG, Bad Saulgau

Architekten:
LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart

Mitarbeiter:
Katja Pütter, Alexander Hochstraßer, Lina Müller, Philipp Kraus, Levin Koch, Johannes Brambring, Jean-Philippe Maul

Verfahren für Generalübernehmerleistung:
12/2016 - 1. Preis

Bauzeit:
2018-2021

BGF:
30.134 qm

Nutzfläche:
24.432 qm

Standort:
Tumblingerstraße 27, 80337 München

Fotos:
Roland Halbe

Münchner Volkstheater
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