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Salem International College mit Internat Überlingen

Das Grundstück befindet sich in einer landschaftlich reizvollen Situation. Auf einer Anhöhe über dem Bodensee gelegen, an ein Landschaftsschutzgebiet anschließend, ergeben sich in Richtung Westen Blickbeziehungen zum Wasser. Der Erhalt dieser Sichtachsen war für die Gebäudestellung ausschlaggebend. Die Baukörper sind so angeordnet, dass sie die Aussicht rahmen.

Ein zweiter Aspekt bei der Entwurfsfindung war genügend Wege und Platzräume zwischen den Gebäuden zu erhalten. Soziale Kontakte entstehen nicht im privaten, abgeschlossenen Raum, sondern im Zwischenraum, wo sich die Menschen mehr oder minder zufällig begegnen und austauschen. Deshalb nahmen die Trennung von privatem und öffentlichem Raum und deren schrittweise Übergänge eine hohe Priorität in der Planung ein.

Der Campus wird von Osten über einen Parkplatz erschlossen. Den Eingang markiert das Technikgebäude. Auf dieser Seite befinden sich auch die Sportflächen. Im Zentrum der Anlage liegt das Hauptgebäude. Es spiegelt in seiner inneren Organisation den Gedanken des Campus wider. Den Kern dieser von einer baulichen Klammer gefassten Anlage bildet die Holzkonstruktion der Aula, die von der Küche, dem Speisesaal, den Verwaltungsräumen, der Bibliothek und dem Foyer umschlossen ist. Dem Speisesaal vorgelagert sind gestufte Terrassen mit fester Möblierung für die sommerliche Nutzung. Unter dem flach geneigten Dach reihen sich die Klassenzimmer. An manchen Stellen fehlen Räume, dort finden sich Durchgänge zu den dahinterliegenden Wohnhäusern. Es handelt sich um Reihenhäuser, die paarweise geordnet von einem mittig verlaufenden Wohnweg erschlossen sind.

Die Zeilen der Wohnhäuser sind nach sogenannten Tutoraten, einer Einheit von 24 Schülerinnen und Schülern, geordnet. Am Ende der Wohngebäudeschlange liegt das Haus für den Tutor und seine Familie. Es hat nahezu denselben Grundriss wie die Wohnbauten für die Kollegiaten. Im Schnitt jedes einzelnen Hauses erkennt man den Grund für die Form des geschwungenen Dachs: Dem anderthalbgeschossigen Wohnraum liegen jeweils die zwei Stockwerke mit Schlafzimmern und Nasszellen gegenüber. Die interne Treppe öffnet sich mit ihrem Absatz zur gemeinsamen Wohnebene.

Die Wohngebäude sind wie der Hauptbau mit einer Mauerschale verkleidet. Die Fassade ist in derselben Art und mit demselben Material wie die Schule im Scharnhäuser Park ausgeführt. Auch hier spielte die Mischung aus Vertrautem und doch Neuem eine wesentliche Rolle. Die Frage nach dem Baujahr der Architektur, oder dem »Zeitgemäßen« interessiert uns in diesem Zusammenhang nicht. Die Unterrichtsschlange ist im Gegensatz zu den eher »schweren« Wohngebäuden eine reine Holzkonstruktion. Das hölzerne Tragwerk ist weiß gestrichen und soll Leichtigkeit vermitteln, was durchaus symbolisch auf die Art des Lernens, das in diesen Räumen praktiziert wird, bezogen werden kann.

Fragen der Nachhaltigkeit und energetische Aspekte spielten bei dem Projekt – das eine Außenstelle der Expo 2000 war – eine große Rolle. Und zwar nicht nur hinsichtlich des Verbrauchs, sondern auch in Bezug auf Dauerhaftigkeit, Stoffflüsse und die Übereinstimmung mit den Bedingungen des Landschaftsschutzes. Das Salem College sollte beispielhaft zeigen, wie ökologische und ethische Aspekte des Bauens pädagogisch in den Schulalltag eingebunden werden können.

Bauherr:
Schule Schloss Salem, Salem

Architekten:
Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart

Mitarbeit:
Sabine Birk, Cornelia Hund, Marko Garcia-Barth, Christian Kaiser, Marc Losch, Alexander Mayer-Steudte

Tragwerksplanung:
WFPH (Wenzel, Freese, Pörtner, Haller), Karlsruhe

Wettbewerb:
1996

Bauzeit:
1997 – 2000

Baugrundstück:
100.000 qm (10 ha)

Standort:
Kurt-Hahn-Straße, Nördlich Härlen, 88662 Überlingen

Auszeichnungen

Auszeichnung guter Bauten, BDA 2002

Publikationen

MEMAR 86
8-9 | 2014

Lederer, Arno / Ragnarsdóttir, Jórunn / Oei, Marc (Hg.):
Lederer Ragnarsdóttir Oei 1
Jovis Verlag Berlin 2012

Falk Jaeger (Hg.):
Lederer+Ragnarsdóttir+Oei
Berlin 2008

Birgit Schmolke (Hg.):
Architektur Neues Baden-Württemberg
Berlin 2007

L’architecture d’aujourd’hui
362 | 2006

Der Architekt
9-10 | 2004

Nina Baisch:
Architekturführer Bodensee
Sulgen 2004

Die Zeit
26 | 2003

Architektura & Biznes
3 | 2003

Archicrée
303 | 2002

Costruire in Laterizio
89 | 2002

Wallpaper Magazine
3 | 2002

Walter Meyer-Bohe:
Atlas Gebäudegrundrisse (Bd. 1)
Stuttgart 2002

Architecture and Urbanism
373 | 2001

Bulletin der Alvar Aalto Gesellschaft
13 | 2001

IKZ-Haustechnik
9 | 2001

Stuttgarter Zeitung
31.05.2001

Berliner Morgenpost
11.04.2001

Art
3 | 2001

Moebel Interior Design
2 | 2001

Archithese
2 | 2001

Süddeutsche Zeitung
27.01.2001

Die Welt
12.01.2001

Wettbewerbe Aktuell
1 | 2001

Deutsche Bauzeitung
1 | 2001

Licht – Lumière. Louis Poulsen
Kopenhagen 2001

Architekturgalerie am Weißenhof (Hg.):
Drinnen ist anders als draußen
Baunach 2001

Bauwelt
40 | 2000

Architektur Innenarchitektur Technischer Ausbau
5 | 2000

Galerie Aedes (Hg.):
Drinnen ist anders als draußen
Berlin 2000

Wettbewerbe Aktuell
5 | 1996

Fotos

Roland Halbe, Stuttgart