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Erweiterung Kloster Hegne Marianum in Allensbach

Das Marianum Kloster Hegne liegt an prominenter Stelle mit herrlichem Blick auf den Bodensee. Neben den eigentlichen Klostergebäuden betreiben die Nonnen unter anderem ein Pflegeheim, eine Tagungsstätte mit Hotel und eine Realschule. Eine neue pädagogische Ausrichtung sowie der durch konstruktive Mängel und Schadstoffe belastete Schulbau der sechziger Jahre waren Anlässe für einen Wettbewerb. Dabei sollte durch einen adäquateren Umgang mit dem Bestand, einem unmittelbar anschließenden winkelförmigen Haus aus den fünfziger Jahren, ein befriedigender Abschluss der Gesamtanlage im Osten geschaffen werden. Dieses Gebäude spiegelten wir mit einem Neubau, in dem die Klassenzimmer untergebracht sind. Entlang der Symmetrieachse ordneten wir den Speisesaal, die Eingangshalle mit der großen Treppe sowie, übereinandergeschachtelt, die Turn- und Festhalle sowie den Musiksaal an.

Das Ensemble wird im Norden von einer kleinen Straße begrenzt. Entlang dieser Achse verläuft eine Mauer, die einmal Nebenräume, Stellplätze, Küche und Glockenturm aufnimmt, einmal als Arkade durchbrochen ist, über die man in den Eingangshof gelangt. Auf der anderen Seite gibt es einen zweiten, sehr viel ruhigeren Hof, zu dem sich der Speisesaal hin öffnet.

Der räumliche Zuschnitt der Eingangshalle, des Treppenhauses sowie der offenen Verbindung von Altbau und neuem Schulbau ist ganz der Aussichtslage gewidmet. Im Gegensatz zum gespiegelten Unterrichtsgebäude, das ähnlich wie der Bestand hell verputzt ist, besteht der Zwischenbau einschließlich der erwähnten Mauer aus Ziegeln beziehungsweise aus einer Ziegelschale. Das betrifft auch die Deckenkonstruktionen, die eine leichte Wölbung aufweisen. Deren raumprägende Unterseite ist ebenfalls als sichtbare Ziegelkonstruktion ausgebildet. Die Bögen der Wölbung sind über alle Geschosse des Verbindungsbaus sichtbar und erwecken den Eindruck einer mehrgeschossigen Loggia. Dieses Bild bestimmt die Fernwirkung von der Seeseite aus. Uns leitete dabei die Frage, wie das Thema des Klosters baulich zum Ausdruck gebracht werden kann.

Die Sport- und Festhalle liegt als Sockel unter der Eingangshalle und kann nach Süden hin mittels einer Bühne über eine Geländeabsenkung ins Freie geöffnet werden. Diese Bühne ist beidseitig nutzbar.

Um in den Klassenräumen auch bei Regen eine genügende Auskühlung der Deckenränder zu ermöglichen, entwickelten wir einen baulichen Schutz über den Fenstern. So können diese in gekipptem Zustand über Nacht offenstehen. Gleichzeitig schützt das schildförmige Detail die Holzkonstruktion der Fenster und den textilen Sonnenschutz.

Mit dem Schulgebäude wurde auch eine größere Kapelle aus Sichtbeton mit künstlerisch gestalteten Glasfenstern abgerissen. Wir ließen die Glasfenster sichern, mit dem Gedanken, sie im Raum der Stille weiterzuverwenden. Diesen errichteten wir vor der Nordseite des bestehenden Altbaus in einem dafür geschaffenen kleinen Hof. Die eigentliche Außenhaut besteht aus Buntglas, das zwischen tragende Holzstützen eingebracht wurde. Die Stimmung des Innenraums wird ausschließlich vom Licht, das durch die bunten Scheiben der Verglasung fällt, bestimmt und unterliegt einem permanenten Wandel.

Bauherr:
Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz
von Ingenbohl in Hegne, Provinz Baden-Württemberg, Allensbach, Hegne

Architekten:
Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart

Mitarbeit:
Thilo Holzer, Matthias Schneider

Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Baur, Singen-Hausen

Wettbewerb:
2006 – 1. Preis

Bauzeit:
2007- 2009

BGF:
7.000 qm

BRI:
31.000 cbm

Standort:
Konradistraße 16, 78476 Allensbach, Hegne

Auszeichnungen

best architects 11 Award 2011

Auszeichnung guter Bauten, BDA: Zentrum für Bildung und Erziehung, Allensbach

Nominierung Fritz-Höger-Preis für Backstein-Architektur 2011

Hugo-Häring-Preis, BDA 2012

Veröffentlichungen

Detail
6 | 2016

Costruire in Laterizio
4 | 2014

Vorteile – Das Backstein-Magazin
1 | 2014

der architekt
2 | 2013

Lederer, Arno / Ragnarsdóttir, Jórunn / Oei, Marc (Hg.):
Lederer Ragnarsdóttir Oei 1.
Jovis Verlag Berlin 2012

Üsé Meyer, Ulrike Schettler, Reto Westermann:
Architektur erwandern
Zürich 2012

Stuttgarter Nachrichten
20.08.2011

Schwäbische Zeitung
08.02.2011

Bund Deutscher Architekten BDA, Landesverband Bodensee:
„Architektur in Baden-Württemberg“ 2011

Deutsche Bauzeitschrift
3 | 2010

Brick Bulletin
3 | 2010

Peter Cachola Schmal, Yorck Förster (Hg.):
Deutsches Architektur Jahrbuch 2010 | 11
München 2010

Peter Cachola Schmal, Yorck Förster (Hg.):
Deutsches Architektur Jahrbuch 2010 | 11.
München 2010

Best Architects Documentation
Düsseldorf 2010

Bau Beratung Architektur
12 | 2009

Frankfurter Allgemeine Zeitung
10.08.2009

Häuser
6 | 2009

Architektur Innenarchitektur Technischer Ausbau
5 | 2009

Fotos

Zooey Braun, Stuttgart